Pain Of Salvation – Road Salt Two

Road Salt TwoHier ist er also nun, der zweite Teil (Ebony) des Road Salt Werkes von Daniel Gildenlöw und seinen überaus talentierten Statisten. War Teil Eins (Ivory) vor anderthalb Jahren schon ein guter Schritt in Richtung Hardrock der 70er, setzen die Jungs hier noch einen drauf. Schon Scarsick (bis gestern noch mein Favorit der Band) verzichtete weitgehend auf Metal, aber progressiv bleibt die Musik auch weiterhin im besten Sinne. Schauen wir uns das doch einmal genauer an.

Side A
Road Salt Theme
Streicher-Intro in bester Sergeant Pepper-Manier. Schön.
Softly She Cries
Geht direkt mal laut los, ordentliche Riffs, emotional energischer Gesang, bisweilen Geschrei. Nach zweieinhalb Minuten kommen die Streicher aus dem Intro wieder, herrlicher Gegensatz.
Conditioned
Genauso klingt Hardrock aus den 70ern, doch Moment, da schleichen sich doch ein Paar ungerade Stellen im Zähler ein. Man denkt nach den ersten Liedern, man wüsste, wohin die Reise des Albums geht, aber weit gefehlt.
Healing Now
Beweist nämlich schon das Gegenteil. Mit Mandoline geht es schön los, dann Daniels unverwechselbarer Gesang und sich langsam aufbauendes Schlagzeugspiel. Nach der Hälfte nimmt das ganze deutlich an Fahrt auf, bleibt dabei aber akustisch. Man kann also auch mit Mandoline hart rocken.
To The Shoreline
Was ist das? Schneller Rhythmus, ungewöhnlich tiefer Gesang und allerlei Experimente im Detail, Hardrock ist das nicht, aber auch sonst weiß man nicht genau was es eigentlich ist. Hinzu kommt, dass der gute Herr Gildenlöw hier alle Instrumente (bis auf die Blasinstrumente) selbst eingespielt hat, sein Schlagzeugspiel hier ist vom Allerfeinsten.
Break Darling Break
Jetzt wird es völlig krank. War der Walzer „Sleeping Under The Stars“ vom ersten Teil schon ziemlich verrückt, scheint der Bandchef jetzt total den Verstand verloren zu haben. Musikalisch und inhaltlich zwar Fortsetzung des eben genannten, werden einem hier kleine Mini-Blast-Attacken und eine schiefe Flöte um die Ohren gehauen, das es eine wahre Freude ist. Definitiv ein Höhepunkt, was den Käufern der normalen Albumversion leider verwehrt bleibt.
Eleven
Blues par excellence, zumindest in der ersten Hälfte, mutiert das Teil dann zum Progressiven Hardrock-Monster mit allem was dazu gehört: Krumme Takte, Cowbell, Geschrei im Finale. Herrlich.
1979
Wieder mal ein Gildenlöw-Alleingang. Piano, Gesang, Drama und ein ziemlich abgefahrenes Rhythmuskonstrukt irgendwo im Hintergrund. Im Band-Œuvre geht das wohl als Ballade durch.
Side B
Of Salt
Mit waberndem Klangteppich, Gesang und (Keyboard-)Panflöte wird die zweite Albumhälfte ähnlich eingeleitet wie die erste beendet wird, und doch wieder ganz anders. Kompositorisch und lyrisch findet man hier eine Fortsetzung des Themas von „Of Dust“ vom ersten Teil. Auch wieder nur für die Käufer der Limitierten Edition hörbar.
The Deeper Cut (Into The Wild)
Wildes Schlagzeug legt los und alle dürfen sich austoben, da wird hier tatsächlich noch mal die Prog-Metal-Vergangenheit deutlich, die bei der Band immer schon Ureigen war. Hab ich „austoben“ gesagt? Ich meine natürlich „durchdrehen“ oder so ähnlich. Was machen die da eigentlich?
Mortar Grind (Road Salt Version)
Kennt man schon von der 2009er „Linoleum“-EP, hier teilweise neu eingespielt, kommt das Ganze noch etwas dreckiger daher. Ohnehin schon ein Band-Höhepunkt, haben die Jungs nochmal etwas mehr aus dem Lied herausgeholt. Und dann fügt sich das auch noch hervorragend ins Album-Gefüge ein. Da macht das Mitbrüllen so richtig Spaß. Progressive-Hardrock-Blues-Metal hat das mal jemand genannt, das trifft es ziemlich gut. Ach ja, das hingerotzte Schreien am Ende setzt dem Ganzen noch die Krone auf.
Through The Distance
Eine Ballade wie sie garantiert in keinem Buche steht. Bis auf das Schlagzeug macht Daniel Gildenlöw wieder alles alleine. Wo hat der Typ eigentlich dieses unglaubliche Organ her?
The Physics Of Gridlock
Der Wahnsinn kommt am Schluss in drei Teilen:
Gridlock (All Is Mine)
Progmetal in Perfektion. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
The End
Setzt in Punkto Härte erstmal noch einen auf „All Is Mine“ drauf, darf aber dann in irgendwas Westernmäßiges mit tiefem Gesang übergehen – dem gehen wohl die Ideen niemals aus. Dann wird wieder gnadenlos gerockt.
On Nous A Donné La Vie
Wieder dieses Westernmäßige, jetzt mit französischem Gesang und Gesprochenem, wie das ja im Wilden Westen so üblich war (???).
End Credits
Wie das Album begonnen hat, so klingt es auch aus, mit Streichern. Auch hier darf gerne durchgedreht werden. Hinzu kommt dann noch eine Flöte, sehr schöner Ausklang.

Fazit:
Wieder einmal hat man das Gefühl, man würde einem komplett Geisteskranken zuhören. Man weiß nie, was einen in der nächsten Sekunde erwartet, progressiver geht ja nun wirklich nicht. Wie beim Vorgänger stammt alles aus Daniel Gildenlöws Feder und auch hier kümmert er sich zu einen großen Teil um die Instrumentierung. Wenn sie dann mal dürfen, machen Léo Margarit (Schlagzeug), Fredrik Hermansson (Tasten) und Johan Hallgren (Gitarre) einen hervorragenden Job. Die Band legt hier den bisherigen Höhepunkt ihres Schaffens vor und vereint auf dem Album ein paar ihrer stärksten und durchgeknalltesten Lieder: „Break Darling Break“, „Eleven“, „1979“, „Mortar Grind“ und „The Physics Of Gridlock“. Und die Liner Notes sind wie immer köstlich. Bisher ist das definitiv mein Album des Jahres. Das kann sich ja noch ändern, zumal die neuen Alben von Steven Wilson, Opeth, Dream Theater und Steve Hackett auch alle diesen Monat erscheinen / erschienen sind. Die wollen aber noch gehört werden und viel Luft nach oben lassen Pain Of Salvation nicht.

Punkte: 14/15

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