Flying Colors – Flying Colors


Mike Portnoy Wochen Teil 3, ein weiteres neues Projekt mit dem Herren. Und ein weiteres mit Neal Morse, zumal die Beiden ja auch bei TransAtlantic, Yellow Matter Custard und Neals Solowerken zusammenarbeiten. Wer weiss, woran die noch gemeinsam schrauben. Hier gibt es noch den nicht verwandten Steve Morse, seines Zeichens hauptberuflich bei den Dixie Dregs und Deep Purple beschäftigt. Von Ersteren hat er auch gleich Basser Dave LaRue mit ins Boot geholt. Ein weitgehend unbeschriebenes Blatt hingegen ist der Sänger und Rhythmusgitarrist Casey McPhearson von Alpha Rev. Zusammen machen sie nicht ganz das, was man erwarten würde, denn es klingt im Großen und Ganzen nicht nach den Hauptbands der Einzelnen.

Blue Ocean
Nach einem kleinen Studiochat geht es mit Bass, Schlagzeug und nach und nach dem Rest los. Zum Refrain steigert sich das Ganze noch ein bisschen und es zeigt sich, das Casey hervorragend zu den Anderen passt. Ein bisschen hört man zwar TransAtlantic raus, das aber eher zwischen den Zeilen. Neal darf hier die Zweitstimme singen und Steve ein sehr bluesiges Solo auf seiner Klampfe zum Besten geben. Geht gut ins Ohr.
Shoulda Coulda Woulda
Flott und heftig gibt es hier Hard Rock allererster Güte auf die Ohren. Dank des verzerrten Gesangs, der etwas an Matthew Bellamy erinnert, wirkt das fast wie ein Muse-Frühwerk, ohne eine Kopie zu sein. Zum Schluss hin darf sich Herr Portnoy noch schön austoben. Laut Steve Morse war das nicht geplant, sondern eine spontane Improvisation von Mike. Weil alle so begeistert davon waren, blieb es drin.
Kayla
Die Strophen im Siebenachteltakt, der Refrain im Sechsachtel, da werden die Progressiven Wurzeln deutlich. Im Midtempo geht es hier zu Werke. Der kleine Kanonteil schmeichelt in bester Neal Morse Manier die Ohren bevor ein weiters Gitarrensolo selbiges tut.
The Storm
Ruhiger Anfang, rockiger Mitsingrefrain, und das dann nochmal. Im danach folgenden Fast-Instrumentalteil wird dann schön mit der Dynamik gespielt. Das Ergebnis ist zwar nicht spektakulär, macht aber echt Laune.
Forever In A Daze
Mit Funkrock findet sich die nächste Klangfarbe des Albums ein, bevor es etwas lauter zur Sache geht. Und wieder schütteln die Jungs eine Orwurmmelodie aus dem Ärmel als wenn es nichts wär. Dazu gibt es noch ein super Basssolo.
Love Is What I’m Waiting For
Ein längst verschollenes Beatles-Lied aus deren Spätphase scheint hier aufzutauchen. Auch hier wieder ohne wie eine Kopie zu wirken, dazu ist der Gesang zu eigenständig. Und Zack. Ende. Plötzlich.
Everything Changes
Die erste Ballade des Albums, natürlich um Dreivierteltakt, mit viel Akustikgitarre. Nach etwa der Hälfte darf das dann auf einmal ganz anders Klingen, wenn Neal Morse ein kleinen Alleingang an Piano und Gesang bestreitet. Mit Solo auf der Elektrischen geht es dann zurück ins vorherige Schema. Mit dem Ende lassen sie sich dann richtig Zeit und streuen noch ein wenig Spielerei mit ein.
Better Than Walking Away
Und direkt folgt die zweite Ballade. Langsam baut sich das Lied auf und braucht etwa die Hälfte seiner Laufzeit, bis alle Elemente schliesslich zusammenfinden. Hier hört man ganz deutlich die Handschrift von Neal heraus. So gestaltet sich dieses Lied ähnlich wie die Balladen seiner Solowerke, mit dem Unterschied dass er selbst nur im Hintergrund mitsingt.
All Falls Down
Dafür geht es jetzt im Turbogang weiter: Schnell, laut und definitiv anders als alles Bisherige. Jeder darf hier etwas solieren und man wird nach nicht mal vier Minuten etwas ratlos zurückgelassen. Sehr geil das!
Fool In My Heart
Da Mike sich dieses Lied erdacht hat, darf er hier auch den Leadgesang übernehmen. Für meine Begriffe purer Blues, der in der von Casey gesungenen Bridge nochmal die vorhin genannten Einflüsse Muse und Beatles auf einen Nenner bringt. Wie das geht? Das bleibt nur selbst nach zu hören.
Infinite Fire
Die Länge von zwölf Minuten lässt vermuten, dass sich hier für Progger der Höhepunkt verbirgt. Und so kommt es dann auch. Hier werden alle Register gezogen! Tempi-, Takt- und Rhythmuswechsel, mehrstimmiger Gesang, exzellente Melodieführung, Dynamik, Soli aller Beteiligten, Groove wie Sau, polyrhythmik, alles was das Herz begehrt. Nachdem sich Neal hörbar auf dem Album zurückgehalten hat, tritt er hier etwas deutlicher hervor. Heraus kommt der absolute Kracher, genial.

Fazit:
Blues, Alternative Rock, Progressive Rock, Hard Rock, Funk und was nicht sonst noch alles wird hier zu einem großen Ganzen gesponnen. Der Spass an der Sache ist den Musikern anzumerken. Bleibt zu hoffen, dass das nicht die einzige Veröffentlichung dieses gemeinsamen Projektes bleibt. Bisher ist dies zumindest das stärkste Album des nicht mehr ganz so jungen Jahres. Da aber in naher Zukunft noch mindestens zwei gemeinsame Alben von Neal und Mike erscheinen werden, darf man gespannt sein, ob das so bleibt.

Punkte: 13/15

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